Der australische Slang hat sich über Jahrzehnte durch systematische Abkürzungen, Einflüsse der Aborigines und eine ausgeprägte Vorliebe für sprachliche Lockerheit entwickelt, sodass manche Sätze für britische oder amerikanische Englischsprecher beim ersten Besuch völlig unverständlich bleiben. Ein Australier, der „a barbie this arvo“ vorschlägt, meint weder eine Puppe noch einen bestimmten Kalendertag, sondern schlicht ein Barbecue am Nachmittag.
Die meisten dieser Ausdrücke folgen einem recht regelmäßigen Bildungsmuster: Das ursprüngliche Wort wird verkürzt und erhält dann eine Endung auf „-o“, „-ie“ oder „-y“, ein Verfahren, das allein einen Großteil des folgenden Wortschatzes erklärt. Der Rest stammt aus älteren Ausdrücken, die aus der Kolonialzeit oder der Kultur der Aborigines übernommen wurden, und wird ebenso vom australischen Premierminister wie vom Tankstellenwart nebenan verwendet. Die folgenden 35 Ausdrücke decken den Alltag, Freundschaften und einige falsche Freunde ab, die man kennen sollte.
1. G’day
Kontraktion von „good day“, diese Begrüßung bleibt die bekannteste im australischen Englisch, deutlich herzlicher als ein einfaches „good morning“. Beispiel: „G’day, mate! Lovely weather today.“
2. Mate
Entspricht „Kumpel“ oder „Freund“, wird sowohl unter Fremden als auch engen Freunden verwendet, oft am Satzende für mehr Wärme. Beispiel: „Cheers, mate!“
3. No worries
Universalformel, die die australische Mentalität zusammenfasst: bedeutet je nach Kontext „kein Problem“, „gern geschehen“ oder „klar doch“. Beispiel: „Can you help me with this?“ „No worries!“
4. Arvo
Umgangssprachliche Kurzform von „afternoon“, im gesprochenen Englisch sehr verbreitet. Beispiel: „Let’s meet this arvo for a coffee.“
5. Barbie
Hat nichts mit der Puppe zu tun: Das Wort bedeutet Grillfest, eine bedeutende soziale Institution in Australien. Beispiel: „Let’s fire up the barbie!“
6. Brekky
Verkürzte Form von „breakfast“. Beispiel: „What’s for brekky?“
7. Sunnies
Kontraktion von „sunglasses“, unverzichtbar bei der starken australischen Sonne. Beispiel: „Grab your sunnies, it’s bright out there.“
8. Mozzie
Verniedlichung von „mosquito“, ein Wort, das an jedem Abend im Freien schnell fällt. Beispiel: „The mozzies are terrible tonight.“
9. Servo
Abkürzung für „service station“, die ganz normale Tankstelle in Australien. Beispiel: „I need to stop at the servo for petrol.“
10. Bottle-o
Der Getränkemarkt für alkoholische Getränke zum Mitnehmen, das australische Pendant zum Wein- und Spirituosenladen um die Ecke. Beispiel: „Grab some beers from the bottle-o.“
11. Esky
Ursprünglich ein Markenname für Kühlboxen, heute als allgemeiner Begriff gebräuchlich. Beispiel: „Put the drinks in the esky.“
12. Ute
Abkürzung für „utility vehicle“, ein Pickup, der im ländlichen Australien weit verbreitet ist. Beispiel: „He drives an old ute on the farm.“
13. Footy
Allgemeiner Begriff für Fußball, meist bezogen auf australischen Regelfußball, je nach Region. Beispiel: „Are you watching the footy tonight?“
14. Sanga
Umgangssprachliche Version von „sandwich“, manchmal auch „sanger“ geschrieben. Beispiel: „I’ll grab a sanga for lunch.“
15. Maccas
Liebevoller, fast offizieller Spitzname für McDonald’s in Australien, taucht sogar auf manchen Filialschildern auf. Beispiel: „Let’s grab Maccas on the way home.“
16. Thongs
Ein falscher Freund, den man kennen sollte: Anders als im amerikanischen Englisch, wo das Wort Unterwäsche bezeichnet, meint „thongs“ in Australien einfach Flip-Flops. Beispiel: „Grab your thongs, we’re heading to the beach.“
17. Fair dinkum
Dient dazu, etwas als echt oder aufrichtig zu bezeichnen, oder um eine Bestätigung zu erbitten. Beispiel: „Is this story fair dinkum?“
18. Ripper
Begeistertes Adjektiv, um zu sagen, dass etwas großartig oder fantastisch ist. Beispiel: „That was a ripper of a match!“
19. Bloke
Lockere Art, einen Mann zu bezeichnen. Beispiel: „He’s a good bloke.“
20. Sheila
Älterer, heute etwas veralteter Begriff für eine Frau, wird von manchen älteren Sprechern noch nostalgisch oder humorvoll verwendet.
21. Chuck a sickie
Bedeutet, sich krankzumelden, ohne tatsächlich krank zu sein, eine verbreitete Praxis mit eigenem Ausdruck. Beispiel: „I might chuck a sickie tomorrow.“
22. Chuck a wobbly
Beschreibt einen plötzlichen Wutausbruch. Beispiel: „He chucked a wobbly when the bus was late.“
23. She’ll be right
Typisch australische Formel des Optimismus, die bedeutet, dass sich alles fügen wird. Beispiel: „Don’t worry about the car, she’ll be right.“
24. Good on ya
Zeichen der Anerkennung oder Gratulation, je nach Tonfall manchmal auch sarkastisch gemeint. Beispiel: „You finished the marathon? Good on ya!“
25. Too right
Begeisterte Zustimmungsformel, entspricht „genau“ oder „absolut richtig“. Beispiel: „This weather is amazing.“ „Too right!“
26. Bogan
Abwertender Begriff für jemanden, der als wenig kultiviert gilt, oft mit einem bestimmten Stil oder Lebensstil verbunden. Beispiel: „He’s acting like a real bogan.“
27. Chunder
Bedeutet sich übergeben, ein Wort, das über Australien hinaus durch den Song „Down Under“ von Men At Work bekannt wurde. Beispiel: „He chundered after the party.“
28. Cheers
Viel mehr als nur ein Trinkspruch: Das Wort dient auch als Dankeschön, als „gern geschehen“ oder zur Anerkennung eines Gefallens, immer in lockerem Ton. Beispiel: „Cheers for the lift!“
29. Stubby
Bezeichnet eine kleine Bierflasche, ein sehr gängiges Format bei australischen Feiern. Beispiel: „Pass me a stubby, mate.“
30. How ya going
Übliche Höflichkeitsfrage, die „wie geht’s“ bedeutet und nicht „wohin gehst du“, ein häufiges Missverständnis bei anderen Englischsprechern. Beispiel: „G’day, how ya going?“
31. Straya
Bewusst lockere, verkürzte Aussprache von „Australia“, mit einer Prise Selbstironie verwendet. Beispiel: „Welcome to Straya, mate!“
32. Aussie
Gebräuchlichste Art, einen Australier oder Australien selbst zu bezeichnen. Beispiel: „She’s a proud Aussie.“
33. Digger
In manchen Regionen ein Synonym für „mate“, dieser Begriff stammt vom historischen Spitznamen für australische Soldaten im Ersten Weltkrieg.
34. To spit the dummy
Wörtlich „den Schnuller ausspucken“, dieses Bild beschreibt jemanden, der einen Wutanfall bekommt, wie ein Baby, das seinen Schnuller ausspuckt. Beispiel: „He spat the dummy when he lost the game.“
35. Root
Ein Wort, mit dem man sehr vorsichtig umgehen sollte: Anders als im amerikanischen Englisch, wo es bedeutet, ein Team zu „unterstützen“, bezeichnet „root“ im australischen Slang Geschlechtsverkehr. Während eines Aufenthalts in Australien besser „to support a team“ statt „to root for a team“ verwenden.
Die richtige Aussprache
Über den Wortschatz hinaus verändert der australische Akzent den Klang dieser Ausdrücke spürbar. Das abschließende „r“ verschwindet fast vollständig, sodass „forever“ eher wie „foreva“ klingt und „together“ zu „togetha“ wird. Auch das abschließende „g“ der „-ing“-Formen fällt beim Sprechen häufig weg, sodass aus „fishing“ „fishin'“ und aus „driving“ „drivin'“ wird. Diese beiden Ausspracheeigenheiten helfen zusammen mit dem obigen Wortschatz dabei, dem lokalen Akzent wirklich nahezukommen statt ihn nur aus der Ferne nachzuahmen.


